Bunt geflieste Fassaden, unglaublich freundliche Menschen, wunderbares Licht und nicht zuletzt Portwein. Von 5.-7.11.2017 fand in Porto die ESOMAR Global Qualitative 2017 mit mehr als 200 Qualitativen ForscherInnen aus mehr als 40 Ländern statt. Die Konferenz stand dieses Mal nicht nur im Zeichen der Digitalisierung und Automatisierung, sondern eröffnete auch neue Blickwinkel auf Zielgruppen.

Meine persönlichen Highlights, die vielleicht auch Ihr Interesse wecken:

Zielgruppen:

  • Quintastics: Generation Y hat genug Aufmerksamkeit erhalten. Was ist mit der Generation 50+? Sie wird oftmals immer noch undifferenziert betrachtet und angesprochen wie 80jährige. Das wirtschaftliche Potenzial dieser Konsumentengruppe ist enorm, sowohl weil diese Zielgruppe in den einkommensstarken Jahren ist und gleichzeitig rein quantitativ die Summe der Personen sogar größer ist als jener Generation Y. 50-60-jährige sind attraktive Segmente mit vielschichtigen aktiven Lebensstilen und keine Senioren, die sich ausschließlich mit Gesundheit und Versicherung beschäftigen.
  • How to help introverts open up: Gerade in der qualitativen Forschung gelten als “gute” TeilnehmerInnen aktive und offene, idealerweise extrovertierte Persönlichkeiten. Ein Drittel der Weltbevölkerung allerdings ist introvertiert und findet damit im klassischen Setting einer Gruppendiskussion kaum Eingang. Introvertierte haben andere Bilder im Kopf, was die Konzepte Spaß und Energie anbelangt. Zwei Konzepte, die in Werbung und Konsum oft tragende Elemente sind. Syed Kamil zeigte, wie es möglich wird, diese Menschen in Gesprächen zu öffnen und warum das für Unternehmen wichtig ist.

Automatisierung:

  • Chatbots: Sie wirken wie wenig greifbare Geister und sind doch real und auch bereits in der qualitativen Forschung im Einsatz. Ein Projekt aus Belgien versuchte den Einsatz in online communities und war damit erfolgreicher als selbst erwartet. Das Engagement der Teilnehmer konnte gesteigert und gleichzeitig Zeit eingespart werden. Eine wichtige Erkenntnis für die Akzeptanz des Chatbots als Gesprächspartner: er darf nicht ganz perfekt sein, sondern muss den TeilnehmerInnen vermitteln, dass sie dem Bot helfen müssen.
  • Automatisierung in der Analyse: Die Gewinnerin des Peter Cooper Awards 2017 führte gemeinsam mit einem Kunden ein Experiment „Frau gegen Maschine“ durch und testete automatisationsunterstützte Analyse. Das Ergebnis und die Wahl des Kunden: eine automatisationsunterstützte Voranalyse kombiniert mit einer verdichtenden menschlichen Analyse, die die tatsächlichen Erkenntnisse bringt. Die Vorteile sind Zeit- und Kostenersparnis bei gleichzeitigem Qualitätsgewinn im Hinblick auf die leichtere Lesbarkeit des Reports.

Es bleibt also spannend.

ESOMAR Mitglieder haben die Möglichkeit die Paper auf der ESOMAR Webseite downzuloaden.

Vielen Dank für den Bericht an:

Mag. Romana Forster-Gartlehner von Rogart Research, Paschinger Str. 111/4/401, 4060 Leonding

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